2. April 2011
Atomkraft - Kirche und Politik
Warum, wurde ich beim Anbringen der Anti-Atom-Fahne gefragt, mache die Kirche jetzt politische Werbung. Der Vorwurf war nicht zu überhören. Die Passantin meinte im Vorübergehen, sie sei auch Kirchensteuerzahlerin, aber die Werbung gegen Kernkraft wolle sie als Kirchenmitglied nicht unterstützen. Schließlich gebe es ja auch andere Meinungen über Atomkraft!
Spalten wir die Gemeinde, wenn wir eine zugegebenermaßen sehr deutliche Meinung vertreten? Wo ist die Grenze der Meinungsäußerung für einen Pfarrer?
Kirche ist seit ihren Anfängen politisch. Die Nachfolge auf Jesu Spuren in dieser Welt fordert dazu heraus, Farbe zu bekennen, Unrecht beim Namen zu nennen, deutliche Worte zu gebrauchen. Doch im Alltag ist es keineswegs einfach zu erkennen, was unrecht ist. Deshalb müssen auch Christen persönlich ihre Meinung sehr genau abwägen. Wir müssen nicht einer Meinung sein, Streit ist auch unter Christen erlaubt!
Ich halte Kernkraft für unsicher und gefährlich. Dabei denke ich nicht zuerst an die katastrophalen Reaktorunfälle. Die Folgen der Kernspaltung sind aus heutiger Sicht unvorhersehbar. Trotzdem sucht das Bundesamt für Strahlensicherheit nach geeigneten Atommüll-Endlagern, die für mindestens 24.000 bis 1 Million Jahre sicher sind. Welche menschliche Selbstüberschätzung verbirgt sich hinter diesem Denken?
Es gibt keine letztgültige Wahrheit und jeder Christ steht persönlich in der Verantwortung vor Gott. Vor allem aber haben wir die Verantwortung gegenüber unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen für eine gesunde Natur und unzerstörte Schöpfung wahrzunehmen.
Deshalb stehe ich für das „NEIN!“ ohne Wenn und Aber zur Kernkraft!
Wo stehen Sie?
Jörg Gemkow
2. April 2011
Blog-Archiv: Zeitsparkasse, Wirklichkeit
